Ein Mensch
Du. Augen,
Nase, Ohren, Herz, Mund, Lunge, Beine, Arme, Finger – Körper.
Du siehst
dich um. Betrachtest die Landschaft.
Grüne Wiesen
bedecken den Boden, wie ein Teppich. Im Frühling sind sie ein Meer aus Farben
und Gerüchen. Blumenpracht.
Ein Fluss
bahnt sich sanft, aber unbeirrt seinen Weg – schlängelt sich zwischen den
Feldern hindurch, gräbt sein Bett tief zwischen Felsen hinein und mündet
schließlich am Meer.
Ähren Wogen
im Sommer im Wind. Gewitterwolken ziehen auf. Blitze, Donner – ein Orchester
aus Licht und Paukenschlägen. Dann der Einsatz des Regens – crescendo.
Schließlich kommt das Finale: Die dunklen Wolken müssen langsam der Sonne Platz
machen. Es wird heiß, doch nicht im kühlen Schatten der Bäume.
Der Wald.
Wunderschöne Farbspiele – rot, orange, grün, gelb, braun und alle Farbtöne
dazwischen – stellt er im Herbst zur Schau. Hier raschelt es, dort huscht etwas
davon, ein Pfoten-Abdruck auf dem Weg.
Der Boden
steigt sanft an. Ein Hügel bedeckt mit Bäumen. Es werden weniger, die Luft wird
dünner. Zerklüftete Felsen ragen majestätisch empor. Jeder Stein hat sein
eigenes Muster. Gewaltige Gebirge, die die Landschaft formen. Im Winter
glitzert der Schnee überall, weit oben bleibt er selbst in der heißen
Jahreszeit.
Du. Stehst
oben auf einem Berg. Betrachtest die Landschaft.
Du siehst
die Wunder. Bist begeistert, glücklich, dankbar. Du siehst etwas. Schaust
genauer hin. Und dein Herz hüpft. Will zerspringen vor Freude:
Am äußersten
Ende, dort wo alles anfängt und aufhört, ist etwas, das alles zusammenhält.
Etwas?
Du
betrachtest es näher. Und siehst:
Die ganze
Erde, die gesamte Landschaft hat ein Fundament.
Wird
gehalten.
Getragen.
Von Gottes
Hand!
…
Szenenwechsel…
Es war
gerade noch alles in Ordnung gewesen. Doch dann plötzlich
Bist du gefallen.
Lange und tief.
Du konntest
nichts dagegen machen. Konntest nicht anhalten.
Bis du den
Boden erreichtest.
Du blickst
auf. Es ist dunkel und feucht.
Oben ist
sehr weit weg. Nur ein schwaches Licht kommt von dort.
Was ist
passiert? Wo bist du? Wohin bist du gefallen?
Du
betrachtest deine Umgebung, deine Umstände. Du kommst zu einem Schluss
Du bist
gefallen, so tief, so weit, so lang. Du bist dir sicher, dass du
Herausgefallen
bist
Aus Gottes
Hand!
Du weinst,
du schreist, du hast Angst, du bist wütend, du gibst die Hoffnung auf und
schließlich schläfst du ein.
… ein Traum…
In deinem
Traum hast du Flügel. Kannst fliegen. Wie ein Adler breitest du deine Schwingen
aus.
Hoch, immer
höher.
Schließlich
erreichst du Oben.
Fliegst
höher, noch höher.
Du erwartest Gottes Hand zu sehen. Von ferne.
Du erwartest Gottes Hand zu sehen. Von ferne.
Dort wo du
früher warst.
Du fliegst
höher, und weiter und bist erstaunt. Unter dir siehst du Landschaft:
Bäume,
Blumen, Flüsse, Wiesen, Felder, Berge, Hügel. Es kommt dir bekannt vor.
Als du noch
höher fliegst, siehst du es. Du bist noch immer auf derselben Erde. Auf
derselben Erde,
die gehalten
wird.
Von Gottes
Hand!
Und dann
begreifst du:
Du bist
gefallen – tief – in ein Loch.
Doch dieses
Loch – genauso wie die Berge, der Wald, die Blumen, der Fluss – ist
in Gottes
Hand!
Für eine liebe Bekannte, die durch schwere Zeiten ging.
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